Walmendingerhornbahn: Zwischen Abbruch und Aufbruch
Am Walmendingerhorn im Kleinwalsertal entsteht eine neue Pendelbahn – mitten im alpinen Gelände, auf bestehender Trasse und unter besonderen logistischen Bedingungen. Die neue 65-ATW-Walmendingerhornbahn ersetzt die bestehende Anlage und verbindet Mittelberg mit dem Walmendingerhorn.
Die neue Bahn überwindet auf einer schrägen Streckenlänge von rund 1.940 Metern einen Höhenunterschied von etwa 739 Metern. Zwei Kabinen bieten jeweils Platz für 65 Personen. Eine Spur ist zusätzlich für den Lastentransport ausgelegt. Die geplante Förderleistung liegt bei rund 638 Personen pro Stunde und Richtung.
Die HTB Baugesellschaft m.b.H. führt im Auftrag der Skiliftgesellschaft links der Breitach GmbH & Co. KG als Generalunternehmer die Einreich- und Ausführungsplanung sowie die Umsetzung der Hoch- und Tiefbauarbeiten durch. Als Seilbahnhersteller fungiert die Garaventa AG beziehungsweise die Doppelmayer-Gruppe.
Von der Planung zur Ausführung
Die besondere Herausforderung liegt insbesondere darin, neue Technik in die größtenteils bestehenden Bestandsgebäude einzubauen. Erste Vorplanungen und Variantenstudien entstanden bereits 2020, in den Jahren 2024 und 2025 wurde intensiv und detailliert geplant, erkundet und gerechnet.
Seit der Einstellung des Betriebs der bestehenden Bahn im März 2026 wird die Umsetzung Schritt für Schritt vorbereitet und voran getrieben. Dazu gehören der Rückbau der alten Anlage, die Einrichtung der Baustelle, die Herstellung neuer Fundamente sowie der Umbau der Tal- und Bergstation.
Zu den wesentlichen Bauleistungen gehören:
- Integration der neuen Seilbahntechnik in die bestehende Talstation
- Rückbau und Anpassung tragender Bauteile
- Herstellung eines rund 15 Meter langen Seilbahnfundaments mit Gründung auf doppelt korrosionsgeschützten Mikropfählen
- Umbau und Erweiterung der Bergstation
- Errichtung einer neuen Einhausung für die Seilbahntechnik
- Herstellung eines Verschiebebahnsteigs
- Bau einer zusätzlichen Holzhalle
- Montage von zwei neuen Seilbahnstützen
- Errichtung temporärer Materialseilbahnen für die Baustellenlogistik
Die Talstation wird weitgehend in den bestehenden Gebäudekomplex integriert. Dafür sind umfangreiche Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz notwendig. Decken und Wände werden teilweise rückgebaut, tragende Bauteile angepasst und bestehende Fundamente unterfangen. Der vorhandene Spannschacht wird verfüllt. Zudem entsteht ein neues, rund 15 m langes, 8 m breites und etwa 2 m hohes Seilbahnfundament. Dieses wird aufgrund der hohen Zug- und Druckkräfte auf doppelt korrosionsgeschützten Mikropfählen gegründet. Für die Errichtung des Fundaments wurde ein rückverankertes ca. 8x5 m großes Podest vom Holzbau errichtet.
Teamleistung unter alpinen Bedingungen
Die Baustelle liegt auf knapp 1.940 Metern Seehöhe. Wetterwechsel, kurze Baufenster und die schwierige Erreichbarkeit bestimmen den Ablauf. Für Material und Geräte müssen eigene Transportwege geschaffen werden. Zwei temporäre Materialseilbahnen versorgen die Bergstation und die Stützenbereiche, zudem wird auf Unterstützung aus der Luft gesetzt. Auch der Super Puma ist im Einsatz und sorgt mit Materialflügen für eine reibungslose Montage der Stützen.
Ebenfalls verlangt der Baugrund besondere Lösungen - Mikropfähle und Zuganker leiten die hohen Kräfte sicher in den Untergrund ab. Gleichzeitig müssen Naturgefahren wie Hochwasser, Lawinen, Steinschläge und Rutschungen berücksichtigt werden.
Ein Projekt, das nach oben denkt
Die neue Walmendingerhornbahn wird voraussichtlich im Dezember 2026 in Betrieb gehen. Bis dahin arbeiten Bau, Spezialtiefbau, Hochbau, Vermessung, Seilbahntechnik, Elektrotechnik und Logistik eng zusammen.
Wenn die neue Bahn künftig ihre Fahrgäste sicher und komfortabel nach oben bringt, wird von der Komplexität der Bauphase wenig zu sehen sein. Genau darin liegt die eigentliche Leistung: Aus vielen Gewerken, engen Zeitfenstern und anspruchsvollen Bedingungen entsteht ein Bauwerk, das sich wie selbstverständlich in die Natur einfügt.
Hier geht´s zum Foto-Bautagebuch:
https://www.ok-bergbahnen.com/unternehmen/qualitaetsmassnahmen/neubau-walmendingerhornbahn/